Schiffs-Modell-Club Bremen e.V.
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Erstmals präsentieren sich Schiffs-Modell-Bauer im Depot /
Straßenbahnfreunde restaurieren Schienenwagen

Bahnen, Boote und ein Skelett

Von

Sebaldsbrück Straßenbahnmuseum BSAG Modellbautage© Roland Scheitz

Rüdiger Gerull aus Horn-Lehe (rechts) greift beherzt zu, um ein technisches Problem zu lösen.
Die Kollegen vom Schiffs-Modell-Club Bremen (von links) Lutz Neumann aus Schevemoor),
Alexander Krahn aus Achim und Michael Weimann aus Schwachhausen schauen zu.

Am Eingang und an der Kasse liegen Bahnkalender 2014, Prospekte über historischen Gleisverkehr, Umhänge-Automaten für Schaffner, Zubehör aus Fahrerhäusern. Alles sauber aufgearbeitet, wie neuwertig, aber aus vergangenen Zeiten. Auf Schildern sind die zugehörigen Informationen zu lesen: Baujahr, Linie oder Bahn, Stadt und Funktion. Nach diesem Appetithäppchen kommt der Gast in die riesige Halle mit den historischen Schienenwagen, die ehemals Reparatur- und Wartungsplatz der Bremer Straßenbahnen war. Eine Fünf-Zoll-Eisenbahn, auf der Kinder kauern, dreht zwischen den originalen Triebwagen auf seinen kleinen Gleisen, und den Erfrischungsstand um kurvend, seine Runden.

Es duftet nach Waffeln und Kaffee. Puderzuckerstreuend hängt der Blick der Waffelbäckerin am Schleppermodel „Odin“, das seinen Anker fernbedient in das flache Wasserbecken versenkt. In der weiten Halle wirken die zahlreichen Besucher um die Straßenbahnen herum beinah verloren, nur um die Wasserfläche in blauer Folie stehen Modellbaufans etwas enger beisammen. Der Schiffs-Modell-Club Bremen (SMC) nimmt erstmals an den Modellbahntagen teil.

Viele Schlepper und Seenotretter

„Welches Schiff ich bauen möchte, kommt aus dem Bauch“, sagt „Odin“-Erbauer und Vereinsaktivist des SMC, Alexander Krahn aus Achim. „Wir bauen gerne Schlepper und Seenotretter“, erklärt Krahn auch für seine Vereinskollegen und Kolleginnen, denn unter den gut sechzig Mitgliedern sind zahlreiche aktive Ehefrauen. „Meine Frau hatte die Schubschiffe für sich entdeckt“, sagt Alexander Krahn und zeigt auf ein Modell, dessen Korpus, unter der Wasserlinie, eine ungewöhnliche Wellenform aufweist. Das flache Deck erinnert an Autofähren, trägt aber allerhand Arbeitsgerät. „Inzwischen haben wir 17 solcher Boote in unserem Verein.“

„Wenn es keine fertigen Modelle gibt, fragen wir bei Redereien. Mit professionellen Modellbaubetrieben, wie sie für Reedereien arbeiten, gibt es keinen Austausch. Für das Schubschiff gab es keine Vorlagen, meine Frau hat die Form auf Papier gezeichnet und für den Rumpf Kunststoffplatten zusammengeklebt“, erklärt Krahn. Das Oberdeck sei nach Fotos und Originalansicht gearbeitet. „Der Detailreichtum bei den Modellen ist sehr unterschiedlich“.

Auf dem Wasser liegt ein Modell schräg zur Wasserlinie. „Bei Modellen beginnt man mit dem Spundgerüst, dann kommen Deck und Aufbau und die Elektronikeinbauten. Der fährt jetzt mit einem anderen Akku, als er austariert ist“, erklärt Alexander Krahn die Schieflage des Modells.

Die aktiven Clubmitglieder treffen sich mittwochs zum Basteln im Clubhaus am Kuhgrabenweg 6 bei Kuhsiel und 14-tägig zu Clubabenden, an denen Aktivitäten geplant und besprochen werden. An jedem ersten Sonntag im Monat lassen sie die Schiffe fahren. Wobei die Nicolaus-Ausfahrt 2012 bei Glühwein zum Saisonschluss damit endete, dass die Boote auf gefrorenem Wasser standen.

„Wir haben keine graue Flotte und keine U-Boote“, erläutert Krahn zum Bereich der Militärschiffe, und fügt hinzu: „ Katamarane reizen auch. Aber wenn die liegen, muss man hinterherschwimmen“.

Über zwei bis drei Quadratmeter Modellbaufläche gleitet eine kaum fünf Zentimeter lange Straßenbahn unter Oberleitungen aus haarfeinen Drähten entlang. Guido Baier aus der Neustadt ist zufrieden. Die Schwierigkeiten, sein 1:160-Modell zu fahren, sind enorm und kaum zu erahnen. „Ich habe Miniflex-Gleise mit dem Spachtel eingegipst. Fertig gibt es diese Spur nicht. Dann habe ich die Fahrrillen ausgekratzt und anschließend den Boden lackiert. Dann muss die Farbe wieder dort runter, wo der Strom fließen soll. Die Bahnen sind so leicht, dass sie am Gleis kaum Kontakt bekommen, obwohl ich schon Gewicht drin habe,“ erkärt der Modellbauer.

Auf Papier, groß wie für Litfaßsäulen, hat der heutige Drei-D-Designer Guido Baier als Junge Pläne von Fahrleitungen (Oberleitungen) gezeichnet, genauestens bis zu den Pflastersteinen hin. „Zum Beispiel die Kehrschleife da oben, das geht nur mit Oberleitung zu fahren, anders nicht“, erklärt er die Finessen seiner Anlage mit der Plus-führenden Oberleitung und dem Minus im Gleis. Dann hakt die winzige Bahn an einer Lötstelle des Oberdrahts. „Das Miniatur-Wunderland in Hamburg hat meine original Hamburger Straßenbahnmodelle gekauft, die ich nach dreidimensionalisierten Fotos originalgetreu nachgebaut habe,“ erzählt Guido Baier stolz.

Ganz andere Größe: Im Werkstattbereich der Straßenbahner steht ein zerlegter Arbeitswagen von 1947. Heiner Brünjes aus Schwachhausen, BSAG-Mitarbeiter und Mitglied des Vereins Freunde der Bremer Straßenbahn, sagt: „Der Aufbau wird mindestens so lange dauern wie das Zerlegen“. An einem anderen Wagen sagt Brünjes beim Vorübergehen: „Der muss zur Hauptuntersuchung“. Das ist der TÜV für die Schienenwagen. Ohne bestandene Hauptuntersuchung dürfen keine Sonderfahrten wie zu den Feiern an diesem Tag oder historische Fahrten für Firmen oder zu Hochzeiten mit den Wagen unternommen werden.

Kontakte: Freunde der Bremer Straßenbahn über heinerbruenjes@bsag.de, Schiffs-Modell-Club Bremen: info@smc-bremen.de. Der SMC ist auf der Euromodell 2013 von Freitag, 15., bis Sonntag 17. November, auf der Messe Bremen vertreten.